Die Entwicklung der Foto-Objektive für die ALPA-Kleinbildspiegelreflexkameras war ein Meilenstein in der Firmengeschichte von Kern, ja auch für die schweizerische Fototechnik und Präzisionsoptik. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Kern produzierte bereits ab 1924 einfache Objektive für Platten- und Rollfilmkameras. 1935 wurde diese Produktion aber eingestellt. 1944 stieg man mit der Entwicklung von Hochleistungs-Kinoobjektiven ein. Ende der 40er-Jahre gelangte die Firma Pignons S.A. in Ballaigues (CH), welche die ALPA-Kamera 1942 erstmals vorgestellt hatte, wegen der Objektivherstellung an Kern. Kern produzierte ab 1951 bis 1970 ungefähr 25'000 Objektive - alle mit Brennweiete
50 mm - für die ALPA. Die Kamera wurde in dieser Zeit standardmässig mit diesen Objektiven verkauft. Aus unbekannten Gründen liess man von Varianten wie Weitwinkel-, Tele- oder Zoomobjektiven ab.
Die ALPA-Kamera mit dem MACRO-SWITAR Objektiv wird auch als "Rolls Royce" unter den Kleinbildkameras bezeichnet. Dabei ist das MACRO-SWITAR Objektiv von Kern, von dem sich noch neun Exemplare in verschiedenen Varianten in der Sammlung Kern befinden, wesentlicher Bestandteil. Beim hier vorgestellten Objektiv handelt es sich um das Modell, das ab 1960 hergestellt wurde. Von den drei Objektiv-Varianten, die Kern entwickelte ist unser Objekt des Monats (Kern ID-Nr.430.3) die Weiterentwicklung des ersten, noch ohne Macro ausgerüsteten Objektivs. 1968 wurde dieses Objektiv mit sieben Linsen durch eine achtlinsige Variante abgelöst. Die Schärfe wurde noch einmal mit unbedeutendem Lichtstärkenverlust verbessert.
Herausragende Vorzüge des MACRO-SWITAR 1.8/50 mm sind die Bildschärfe und die Naheinstellung von nur 28 cm. Eine weitere Besonderheit ist der Visifocus, an dem die Schärfentiefe abgelesen werden kann. Auf einer separaten Skala wird, entsprechend der Blenden- und Distanzeinstellung, der Bereich der Schärfentiefe orange angezeigt.
Bei der komplexen Bauart des Objektivs ist anzunehmen, dass Kern die Linsen erstmals rechnergestützt konstruierte und standardmässig mit damals neu eingeführten Antireflex-Beschichtungen versah. 1990 geht die Firma Pignons S.A. in Konkurs. Sie kann dem internationalen Konkurrenzdruck nicht mehr standhalten.
Jede Kamera wurde mit derselben Exzellenz und Detailverliebtheit wie eine Luxusuhr gefertigt. Occasionen werden heute noch zum damaligen Verkaufspreis gehandelt.
Viele Kenner der Marke ALPA bemerken oft als Erstes: ... ah die mit den Kern-Objektiven.
Woher wissen wir, dass das Nivelliergerät mit der Instrumenten-Nr. 16349 gemäss Auftrag vom 27. Juni 1898 nach Nyon geliefert wurde? Aber warum haben wir
80 Jahre später keine Informationen mehr zu Geräteaufträgen?
Die erste Frage beantwortet unser Objekt des Monats
März 2026, das Nummernbuch Nr. 27 (Kern ID-Nr. 1628). Es steht im Eingangsbereich zur Sammlung Kern, stellvertretend für die 73 (von ursprünglich 90) noch vorhandenen Auftrags- und Nummernbüchern ab Juni 1878 bis ins Jahr 1977. In diesem Jahr wurden die Nummernbücher auf EDV umgestellt. Diese Daten existieren leider nicht mehr, was die zweite Frage beantwortet.
Doch der Reihe nach. Das exemplarisch gewählte Nummernbuch Nr. 27 beinhaltet alle Aufträge von Vermessungsinstrumenten mit Zubehör zwischen dem
27. Januar 1898 und dem 20. Februar 1899. Dank den überaus genauen und vollständigen Einträgen ist die Datierung, der Empfänger, der Typ oder die Typen der bestellten Instrumente, deren Instrumenten-Nummer, der gesamte Lieferumfang, technische Details und der damals verrechnete Preis dokumentiert, also sozusagen die "Geburtsurkunde" des Instruments.
Gesichert ist, dass die 5-stellige Nummerierung am
7. Februar 1898 mit der Nummer 16300 begann (s. Bild). Weshalb genau dies die erste Instrumenten-Nummer war, wird wohl ein Rätsel bleiben. Ebenso bleibt im Dunkeln, warum Kern von anfänglich nummernlosen zu nummerierten Aufträgen wechselte. Tatsache ist, dass im Jahr 1898 ein gewisser Robert Stänz in die Firma eintrat und die Leitung der Abteilung Vermessungsinstrumente übernahm. Gut möglich, dass er diese Innovation einführte und damit die Bewirtschaftung der Aufträge vereinfachte.
Jedenfalls war die Einführung 5-stelliger Nummern wegweisend für alle kommenden Nummernbücher: Anhand dieser, auch auf den Instrumenten eingravierten Nummern, können wir für Geräte zwischen dem 7. Februar 1898 und 1977 den Zeitraum des Auftrags datieren und deren Empfänger zuordnen. Ein Abgleich der Einträge im Nummernbuch mit Katalogen bzw. Prospekten aus dem Zeitraum gibt weiteren Aufschluss zu technischen Daten der Kern-Vermessungsinstrumente. Regelmässig ziehen Interessierte und Museen für Ihre Sammlungen unseren Datierungs-Dienst zu Rate.
Beispielhaft für eine Datierung kommen wir auf das eingangs erwähnte Nivellier Nr. 124 mit der Instrumenten-Nummer 16349 zurück. Es befindet sich heute in der Sammlung Kern in Aarau (s. Bild). Der Auftrag wurde am 27. Juni 1898 erfasst: Ein unerwähnt gebliebener Kunde bestellte das Nivellier zum damaligen Preis von 225 CHF zuzüglich diversem Zubehör, wie dem Auszug aus dem Nummernbuch Nr. 27 entnommen werden kann. Das Instrument muss wohl die ganze Zeit in Nyon verbracht haben, wurde es der Sammlung Kern doch von dort wieder zugeführt. Der Abgleich mit dem Katalog 1897 bestätigt es als Nivellierinstrument französischer Construction (Katalog-) Nr. 124, Niveaux d'Egault. Im Nummernbuch findet sich u.a. die Angabe 12/12: Dies steht für 12'''P/12''P – das alte Pariser Längenmass. Umgerechnet ergibt das einen Objektivdurchmesser von 27 mm und eine Fernrohrlänge von 325 mm.
Im Januar 1946, vor gut 80 Jahren, weilte Generalfeldmarschall Bernard Montgomery, der bekannte britische Heerführer im Zweiten Weltkrieg, anlässlich eines Besuchs bei den Schweizer Gebirgstruppen. Er wurde beim Beobachten durch ein Kern-Beobachtungsfernrohr 12x72, auch Grabenfernrohr genannt, abgelichtet. Das Bild existiert in unserer Sammlung (Kern ID-Nr. 612), es zeigt diesen historischen Moment und hat uns dazu bewogen näher auf dieses Fernrohr einzugehen.
Das periskopische Beobachtungsfernrohr war eine Neukonstruktion von Dr. Heinrich Wild und fiel in die Zeit, in der Kern die optische Abteilung auch dank Bestellungen des Militärs massiv vergrösserte. So konnte Kern das Beobachtungsfernrohr als Grabenfernrohr für militärische Zwecke in grosser Stückzahl liefern. Bei diesem Modell war die Instrumentenstütze mit einem Horizontalkreis für Richtungsmessungen und einer Einrichtung für Vertikalwinkelmessungen sowie einer Strichplatte ausgerüstet. Alle Winkelwerte wurden in Artilleriepromille (‰ Winkelteilung, d.h. 6400‰ = 360° = 400 gon) angezeigt. Die periskopische Bauart mit zwei Objektiven erlaubte das Beobachten aus der Deckung und liess auch eine grobe Distanzabschätzung von Objekten zu.
Bisher waren derartige Beobachtungsfernrohre mit Glasprismen ausgerüstet und somit deren Grösse konstruktiv und folglich der Lichtstärke Grenzen gesetzt. Heinrich Wild verwendete anstelle der Prismen Spiegellinsen. Beim Spiegellinsenfernrohr erfolgt die Primärabbildung im Schnittpunkt der Objektivachse mit dem Hauptrohr. An dieser Stelle ist nur ein kleiner Spiegel erforderlich. Die Objektivöffnung konnte daher signifikant gesteigert werden. Damit war ein Beobachten auch bei schlechter Sicht und Dämmerlicht möglich. Zudem traten keine Farbfehler (chromatische Aberration) auf. Es wurde nun bei einer 12-fachen Vergrösserung und einer Objektivöffnung von 72 mm eine bisher unerreichte Klarheit und Schärfe erzielt.
Das Beobachtungsfernrohr 12x72 wurde ab 1939 produziert und bis 1988 in weiterentwickelter Form verkauft. Das Objekt des Monats (Kern ID-Nr. 272) ist in der Kern-Dauerausstellung im vierten Stock des Stadtmuseums Aarau ausgestellt.
Auch bei anderen Museen und Sammlungen ist das Grabenfernrohr 12x72 ein geschätztes Objekt: Stellvertretend zeigt die Webseite Fernglasmuseum weitere Details. Von dort erhielten wir auch die beiden Bilder der Fernrohrdurchsicht. Vielen Dank.
Das Herz eines Theodolits sind Teilkreise. Radial und in einem vorgegebenen Abstand angeordnete Teilstriche verkörpern den Massstab für die Richtungs- und damit Winkelmessung. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurden diese auf Metall- und später ausschliesslich auf Glasringen angebracht. Durch die Teilung auf Glasringen liess sich der Strahlengang verkürzen und im Instrumentengehäuse führen, was eine deutlich kompaktere und leichtere Bauweise der Instrumente ermöglichte.
Die Teilungen wurden mit sogenannten Kreisteilmaschinen erzeugt. Ein immer genaueres Messen erforderte auch eine Weiterentwicklung der Teilmaschinen. Bald setzte sich die vertikale gegenüber der ursprünglich horizontal angeordneten Funktionsweise durch. Sie erlaubte vor allem mehrere Kreise gleichzeitig zu stechen, gewährte bessere Einsicht und weniger Durchbiegung.
Unsere Kreisteilmaschine B erfüllte all diese Anforderungen. Wegbereiter und treibende Kraft zu dieser komplett kernintern entwickelten Maschine war Heinrich Wild, Konstrukteur und Erfinder wissenschaftlicher Instrumente. 1935 stiess Wild zu Kern nachdem er seine eigens gegründete Firma Heinrich Wild, Werkstätte für Feinmechanik und Optik später WILD HEERBRUGG, nicht ohne Ressentiments verlassen hatte.
1946 entstand dann in Zusammenarbeit mit dem jungen Maschineningenieur Rudolf Haller die berühmte Kreisteilmaschine B (in der Studiensammlung als Inventar Nr. 1908 zu besichtigen) deren noch weitere vier baugleiche Maschinen folgten.
Um eine Genauigkeit der Richtungsmessung von ± 1cc zu erzielen müssen die Striche einer Kreisteilung von 100 mm Durchmesser auf etwa 10-4 mm genau positioniert werden. Wild sah vor allem Verbesserungspotential in der Elimination des Einflusses von Lauffehlern der Teilradachse. Durch gleichzeitiges Stechen zweier diametral gegenüberliegenden Striche eliminierte er das Taumeln der Achse des Teilrades. Um die beiden Striche später auseinander halten zu können, wurden sie auf zwei Kreisen (Haupt-und Hilfskreis) gestochen. Nach dieser Methode wurde fortan vom Doppelkreisverfahren gesprochen und die Theodolite auch entsprechend benannt (DK und DKM, wie DKM1, DKM2, DKM3 usw.).
Auf den Teilkreisen der optisch-mechanischen Theodolite wurden bis zu 20'000 Teilstriche aufgetragen. Der Teilungsprozess dauerte bis zu 22 Stunden, wobei jeweils vier Teilkreise gleichzeitig geteilt wurden. Die Glaskreise wurden mit Warmwachs bestrichen, worauf die Teilung mit der Teilmaschine in die Wachsschicht gezogen werden konnte. Nach dem anschliessenden Ätzen wurden die Teilstriche mit einem Araldit-Russgemisch schwarz eingefärbt. Je nach Anwendung ergänzte man mit einer eigens dafür konstruierten Maschine die Teilkreise mit einer Bezifferung. Zur Funktion der Teilkreismaschine gibt es hier einen ausführlichen Film von Ruedi Wullschleger.
Die Teilmaschinen standen in einer Grube je einzeln auf Betonblöcken, die über Federn im Untergrund abgestützt waren. So vermied man möglichst alle Erschütterungen, die durch den nahen Verkehr oder Übungen auf dem ehemaligen Waffenplatz hätten auftreten können. Der Raum in denen die Teilmaschinen standen war Tabuzone und nur für wenige Mitarbeitende zugänglich. Die Herstellung der Teilkreise und Konstruktion der Kreisteilmaschinen waren wohl das bestgehütete Firmengeheimnis.
Der Reduktionszirkel diente nicht nur zum Verkleinern oder Teilen von Strecken, er war ein sehr vielseitiges analoges Rechen- und Konstruktionsinstrument.
Der Reduktionszirkel ist eine erweiterte Version des Stechzirkels. An allen vier Schenkelenden sind nachstellbare Spitzen eingelegt und verschraubt. Sind die beiden Schenkel zusammengeklappt, kann ein Gelenk über eine Zahnstange mit einer Feinstellschraube präzise positioniert und mit einer Feststellschraube arretiert werden. Damit kann das Verhältnis der Zirkelöffnungen verändert und auf bestimmte Werte eingestellt werden.
Als Erfinder des Reduktionszirkels gilt der Toggenburger Jost Bürgi (1552 – 1632), als "Kaiserlicher Hof- und Kammeruhrmacher" diente er Kaiser Rudolf II. in Prag. Um 1582 entwickelte er seinen "Universellen Proportional-Reduktionszirkel – einen Doppelzirkel mit verschiebbarem Scheitelpunkt".
Bei Kern wurden die Reduktionszirkel über 150 Jahre gefertigt. Aus einem Prospekt von 1929 ist ersichtlich, dass er damals in sechs verschiedenen Ausführungen erhältlich war. Das Modell 1096 mit Millimeterteilung (ID. Nr. 1086) hat fast unbegrenzte Möglichkeiten. In einer Tabelle findet man die Einstellzahlen für die gebräuchlichsten Verhältnisse. Ein Nonius ermöglicht die genaue Positionierung des Gelenkes. Der Zirkel half unter vielem anderem beim Massstabswechsel oder der Umrechnung von Masseinheiten. Andere Modelle tragen die Markierungen "Lines" oder "Circles" auf den Zirkelschenkeln. Damit konnten sehr einfach Linien, Flächen und sogar Körper in bestimmten Verhältnissen geteilt werden. Zur Konstruktion von regelmässigen Vielecken ist die grosse Zirkelöffnung auf den Durchmesser des Umkreises einzustellen, die kleine Zirkelöffnung entspricht dann der gesuchten Seitenlänge.
Wer weiss aus dem Geometrie-Unterricht noch, wie man zu der Proportion des Goldene Schnitts kommt und welchen Zusammenhang er mit der Konstruktion des regelmässigen Zehnecks hat? Die algebraische oder geometrische Herleitung war nicht jedermanns Sache. Das kam dem Einsatz des Reduktionszirkels sehr entgegen.
Fazit: Ein universelles Hilfsmittel für die grafische Lösung konstruktiver, zeichnerischer und rechnerischer Aufgaben, in Geometrie, Technik, Architektur, Vermessung, Kartografie, im Handwerk und der Kunst.
Das Video im Bild links zeigt die Konstruktion eines regelmässigen 7-Ecks mit gegebenem Umkreis. Dazu setzt man das Gelenk auf den Wert 930. Mit der grossen Zirkelöffnung übernimmt man den Radius des Umkreises. Die kleine Zirkelöffnung ist die Seite des 7-Ecks, die dann auf dem Umkreis abgetragen wird.
Das analoge Stereo-Auswertegerät PG2 (PG steht für Photogrammetrie-Gerät) ist ein Schwergewicht in doppeltem Sinn: Einerseits fällt es in der Sammlung durch seine "luftige" Konstruktion und seine Grösse auf. Andererseits machten zwischen 1960 und 1985 über 700 verkaufte PG2-Exemplare Kern zu einem Schwergewicht auf dem Gebiet der Photogrammetrie, der Luftbildmessung.
Doch der Reihe nach: Der 2. Weltkrieg war vorbei und Treiber waren der militärische und zivile Bedarf an Karten in schwierigem Gelände, z.B. auch anstelle oder ergänzend zur gängigen tachymetrischen Messtischaufnahme. Die Vorgänger Modelle Kern-Ordovas (1930, nur für terrestrische, also erdgebundene Photogrammetrie) und das PG0 (1954) kamen nie über das Prototypenstadium hinaus. Kern stieg also spät in dieses Geschäftsfeld ein. 1956 begannen die Projekte PG1 (optische Projektion) und PG2 (optisch-mechanische Projektion) unter der Leitung von Rudolf Haller (Konstruktion) und Henk Yzermann (Photogrammetrie). Beide Geräte wurden der Öffentlichkeit im Rahmen des Internationalen Photogrammetrie-Kongresses in London 1960 erstmals vorgestellt. Das PG1 wurde nach einer Kleinserie wieder aufgegeben, das PG2 überzeugte von Beginn an: Es handelt sich um ein kompaktes analoges Stereo-Auswertegerät mit neuartiger optisch-mechanischer Projektion und integriertem Zeichentisch für die Kartierung kleinerer und mittlerer Massstäbe (kleiner als 1:10'000), siehe Bulletin Kern 8. Zur Bildmessung nutzt das PG2 das stereoskopische Sehen – das Messprinzip der Luftbildmessung wird in diesem Kurzfilm einfach dargestellt. Übrigens war auch die Farbgebung des PG2 neu und differenziert: Bis ca. 1984 waren alle Kern Photogrammetriegeräte an diesem hellen Gelb erkennbar.
Über den gesamten Lebenszyklus wurden ständig neue Module und Zubehörgeräte entwickelt, z.B. das PG2-H mit Handrädern anstelle der Freihandführung. Unser PG2 in der Sammlung verfügt über den DO2 Doppeleinblick zu Ausbildungs- und Interpretationszwecken, eine digitale Höhenanzeige DEC1 und einen erweiterten Brennweitenbereich für Luftbildkameras bis zu 210 mm. Letzteres macht es zu einem PG21, denn das Anbringen des Typenschildes war lt. Zeitzeugen der letzte Produktionsschritt.
Die Operateur:innen waren speziell geschultes Personal. Die Schweizerische Schule für Photogrammetrie-Operateure (SSPO) in St. Gallen bildete während ihres Bestehens zwischen 1966 und 1986 über 500 diplomierte "Photogrammetrie-Operateure" für mehr als 80 Länder aus. Ab 1973 beteiligte sich Kern finanziell, personell und auch instrumentell an der SSPO-Ausbildung.
Der technische Fortschritt brachte etliche Änderungen mit sich: Den Beruf der Photogrammetrie-Operateur:innen gibt es nicht mehr. Analoge Geräte wie das PG2 wurden schrittweise ab 1988 durch rechnergestützte, sogenannte analytische Geräte und ab 1988 durch digitale Systeme abgelöst. Bei beiden Verfahren war Kern technologisch führend im Weltmarkt und die Kern-Photogrammetrie wurde ab 1990 von Leica erfolgreich weiterentwickelt.
Haben Sie gewusst, dass Kern nicht nur komplette Zeichen- und Messgeräte herstellte? Vor allem in der Optikabteilung wurden allgemein für die Industrie und insbesondere für Filmkameras Bauteile als Komponenten für Fremdgeräte produziert. Eine berühmte und populäre von Kern entwickelte und in Aarau vollständig vorgefertigte Baugruppe war die Frontpartie mit dem Kern-Vario-Switar-Filmkameraobjektiv für die Bolex Automatic K2 (Inventarnummer 461).
Ein kurzer Rückblick zeigt wie es zu diesem sehr erfolgreichen Produkt kam: Durch die hohe Nachfrage nach Feinoptik Ende des ersten Weltkrieges, wurde die 1920 eröffnete Optische Abteilung weiter ausgebaut. 1925 wurden erste Kontakte mit der Firma BolSA in Genf geknüpft. 1930, nach der Übernahme von BolSA durch Paillard, verstärkte sich die Zusammenarbeit. Es wurde vor allem nach dem Erscheinen der ersten Bolex 8mm Kamera, 1937, ein richtiger Schub an neuen Filmobjektiven bei Kern ausgelöst. Die ersten Vario-Switar-Objektive verliessen dann 1959 das Werk in Aarau. Diese ersten Zoomobjektive mit 16 Linsen (!) für die 8 mm Bolex wurden schlagartig ein Grosserfolg. Die Optikabteilung boomte und war in den 1950ern die umsatzstärkste Produktegruppe von Kern (Rolf Häfliger: Photographica Cabinett). Die Kern Objektive, als zentrale Einheit der Paillard-Bolex Kameras, trugen massgeblich zu ihrem exzellenten Ruf bei (Bulletin Kern Nr. 9).
Die Frontpartie der K2-Kamera mit dem motorisierten Vario-Switar-Objektiv war der Höhepunkt der Zusammenarbeit mit Paillard und gleichzeitig die Krönung der Entwicklung von Filmobjektiven bei Kern. Ein Zoomobjektiv für alle Brennweiten zwischen 8 mm (Weitwinkel) und 36 mm (Telebereich), automatische Blendenöffnung für verschiedene Filmempfindlichkeiten und ein Sucher zur genauen Scharfeinstellung waren die Vorzüge dieser aussergewöhnlichen Baugruppe. Sie erlaubte sogar Nahaufnahmen bis 70 cm ohne Objektivzusatz. Die technisch ausgereifteste Normal-8 mm Paillard Kamera, Bolex Automatic K2 (K steht für Kern) war unter Amateurfilmern wie Profis äusserst beliebt. Sie wurde auch entsprechend beworben mit dem Slogan: "Für Menschen, die gewohnt sind, das Beste zu besitzen".
Bereits im zweiten Ausstellungsraum, den man in der Sammlung Kern betritt, steht er, prominent in einer Vitrine, der Theodolit DKM2-A (VPK 1972). Die Bezeichnung weist daraufhin, dass es sich um einen Theodoliten mit Doppel-Kreis und Mikrometerablesung handelt. A bedeutet, dass mit einem Flüssigkeitskompensator (Bulletin Kern 16) der Einfluss der restlichen Stehachsneigung in der Richtung der Zielebene kompensiert wird.
Aber so kompliziert das jetzt auch erscheinen mag, so einfach wäre es, wenn man einen Blick ins Innere des Geräts werfen könnte. Gesagt, getan. In besagter Vitrine steht nämlich ein Schnittmodell des DKM2-A, ein Einzelstück. Vermutlich Mitte der siebziger Jahre erhielten die Lernenden in der damaligen Lehrlingswerkstätte von Kern verschiedene Geräte aus der Serviceabteilung, zerlegten diese in Einzelteile und bearbeiteten sie. Durch Aufschneiden des Gehäuses und optischer Elemente an genau definierten Stellen wurde der Einblick ins Innenleben des Theodoliten ermöglicht.
Und so können wir heute den damals weltweit genauesten Sekundentheodoliten bestaunen, der noch ausschliesslich mit optisch-mechanischen Komponenten funktionierte. Der Strahlengang, die Kompaktheit des Gerätes und die akribische Fertigung der Einzelteile verkörpern eine herausragende Ingenieursleistung meisterhaft vereint mit vollendetem Design. Es sollen sogar Schrauben firmenintern speziell für Kerninstrumente angefertigt worden sein.
Genutzt wurde dieses und noch weitere Schnittmodelle zur Ausbildung von Lernenden, im Rahmen berufsbildender Montagekurse, von Servicetechnikern der Verkaufs-Niederlassungen und in Kursen mit Wiederverkäufern.
Damit diese "Lehrmittel" möglichst grosse Verbreitung fanden, wurden die Modelle auch als Vorlage für gedruckte Darstellungen benutzt. Es entstanden sehr informative, dekorative Poster und Instruktionsblätter. Lehr- und Werbematerial von erheblichem Nutzen.
Bis 2009 befanden sich die Schnittmodelle schliesslich an der Fachhochschule Nordwestschweiz, FHNW, in Muttenz, wo sie den angehenden Geomatik-IngenieurInnen zur Verfügung standen. Inzwischen sind diese "schnittigen" Modelle wieder Teil der Sammlung Kern und können dort besichtigt werden.
Unser Objekt des Monats hat die Inventarnummer 581.1, liegt unscheinbar im Fach 02-AB-02 der Sammlung Kern und hat doch soviel zu erzählen. Es ist der Feldstecherprospekt K 19 von 1938, indem erstmals auch das Armeemodell (Alpin 160, 6x24) vorgestellt wird, welches zum grossen Erfolg der Kerngläser beitrug. Wie kam es überhaupt dazu, dass Kern, die Zirkelschmiede und Hersteller von Vermessungsinstrumenten, anfing Feldstecher zu produzieren?
Es war kurz nach dem ersten Weltkrieg, da serbelte die Optikabteilung bei Kern. Infolge allgemeiner Geldknappheit waren alle Vermessungsarbeiten eingestellt, so dass der Absatz geodätischer Instrumente äusserst gering blieb. Der Fortbestand der optischen Abteilung war in Frage gestellt. 1925 wurde dann die Herstellung von Feldstechern (Ferngläser) gestartet.
Im Prospekt lesen wir, dass Kern Modelle mit Einzel- und Mitteltriebeinstellungen für die Fokussierung produzierte. Für Militärzwecke wurden Okulare mit versenkbaren Augenmuscheln hergestellt, sogenannte "Gasmasken-Okulare". Diese Variante wurde aber auch gerne von Brillenträgern gekauft, da bei versenkter Augenmuschel auch mit Brille das volle Gesichtsfeld überblickt werden kann.
Neu wird im Prospekt auch der kompakte und leichte Alpico 8x18 vorgestellt, Die Kompaktheit wird mit dem Bild einer Hand, in der er Platz findet, veranschaulicht. Dem Prospekt beigelegt ist auch eine Preisliste (1938). Zwischen 135 und 270 Franken musste man damals für ein Kernglas ausgeben. Für Arbeiter mit damaligen Löhnen von 150 bis 250 Franken kaum erschwinglich.
Beworben wurden Wanderer, Alpinisten, Jäger, Naturfreunde usw. Entsprechend auch die von Kern gewählten Instrumentennamen: Focalpin, Alpico, Alpin oder Pizar. In vielen Referenzschreiben an Kern wurde die Robustheit, Helligkeit des Bildes und das grosse Gesichtsfeld hervorgehoben. Kern nutzte die Schreiben zu Werbezwecken und publizierte sie in kleinen Prospekten. Eine Auswahl vergnüglicher, aber durchaus ernst gemeinter Reaktionen seien hier zitiert.
"...Ihre Feldstecher machen mehr und mehr für sich selber Reklame. Es sind besonders unsere Bündner Jäger, die Ihrem Fabrikat den Vorzug geben und den Feldstecher weiterempfehlen…" (C. Conrad, Chur)
"...der Feldstecher Kern bewährt sich ausgezeichnet und wird allgemein bewundert…" (H. H. B., Adliswil
"...Ihr Feldstecher Alpin Lux 6x30 ist in Optik und Ausstattung wirklich besitzenswert und ich kann Ihnen hiermit meine restlose Zufriedenheit aussprechen. Ich glaube nicht, dass für diesen Preis noch Besseres geboten werden kann und dazu Schweizerarbeit..." (J. H. in H.)
Ortskundigen sind sicher schon die Betonpfeiler entlang der Strasse auf der Insel zwischen Aare und Kanal des Aarauer Flusskraftwerkes aufgefallen. Jeder und jede sieht sie, aber niemand weiss so genau, was diese stummen Zeitzeugen zu bedeuten haben. Diese Betonpfeiler erinnern an ähnliche Objekte in der Nähe von Staumauern und Brücken. Dort wie hier sind diese Sockel Basis für Messinstrumente, mit denen Präzisionsmessungen ausgeführt werden. Die Pfeiler entlang dem Aarekanal dienten zur Endprüfung von Distanzmessgeräten der Firma Kern. Unter der abnehmbaren blechernen Schutzhaube befindet sich die Zwangszentrierung, eine Platte zur Fixierung der Instrumente und Reflektoren.
Als Anfang der Siebzigerjahre die ersten elektrooptischen Distanzmesser von Kern mit grösseren Reichweiten entwickelt wurden, musste man zur Funktionskontrolle eine entsprechende Prüfstrecke aufbauen. So bot sich dank dem Entgegenkommen der damaligen Elektrizitätswerke der Stadt Aarau (EWA) das Gelände am Aarekanal an. Die Aare-Prüfstrecke (Bulletin Kern 20) war geboren. Die noch vorhandene und im Dezember 2023 letztmals von Vermessungsbüros in Eigenregie benutzte "Eichstrecke", wie sie, allerdings nicht ganz korrekt, genannt wird, besteht aus sieben Pfeilern auf einer Gesamtlänge von 520 Metern. Mit einem horizontalen Strahlenverlauf, konstant 170 cm über Boden und gleichmässigem Bewuchs entlang der Strecke beugte man atmosphärischen Einflüssen vor.
Die ersten Messungen wurden mit dem damals weltweit genauesten elektrooptischen Distanzmesser, dem Kern Mekometer ME3000 (KHZ 1973/06) ausgeführt. Damit erhielt man absolute Distanzen. Referenzwerte, die aber nur bei Bedarf zu genaueren Betrachtungen der bereits geprüften Instrumente dienten.
Die Messgenauigkeit eines elektronischen Distanzmessers hängt hauptsächlich von drei Grössen ab: der Modulationsfrequenz, dem periodischen Fehler und der Additionskonstanten. Bei der Endprüfung der Geräte auf der Aare-Prüfstrecke ging es darum die Additionskonstante jedes Distanzmessers zu bestimmen. Diese Bestimmung erfordert keine absoluten Längen. Es wurde mit einem Ausgleichungsverfahren gerechnet, das 21 Vorwärtsmessungen voraussetzt. Zu jeder der Konsolen führte ein Steuerungskabel, so dass es möglich war, vom aktuellen Messstandort aus die Reflektoren auf den anderen Pfeilern aus der Messlinie zu schwenken. Zu besten Zeiten prüfte Kern bis zu 30 Distanzmesser pro Tag.
Mit der Zeit waren auch Vermessungsbüros angehalten, ihre Instrumente einmal jährlich zu überprüfen. In diesem Sinne "übernahm" das Kantonale Vermessungsamt die Betreuung der Eichstrecke von Kern ab 1. Januar 1995 und ermöglichte Vermessungsbüros den Zugang. Heute werden diese Prüfungen auch von den Herstellern oder den Lieferanten angeboten
Im Laufe der Jahre gab es auch einige Ereignisse, welche die Messeinsätze auf der Anlage zeitweise verunmöglichten, wie uns der letzte Verantwortliche vom Kantonalen Vermessungsamt erzählte. So stellte man eines Tages fest, dass sich ein Pfeiler gesenkt hatte. Man vermutete als Ursache das Niederwasser im Kanal. Und eines Morgens war es dann ein umgekippter Pfeiler der für Aufsehen sorgte. Ein Fahrzeug, wahrscheinlich ein Traktor, hatte den Pfeiler Nummer 5 wegrasiert.
Das Bild unten zeigt die Aufstellung der 7 Messpfeiler mit den 21 zu messenden Strecken.
Anfang 1973 ging das elektrooptische Distanzmessgerät Mekometer 3000 in die Serienfabrikation. Unter der Lizenz der "National Research and Development Corporation (NRDC)" wurde das Gerät von Kern & Co. AG und Com-Rad Ltd. gemeinsam hergestellt. Kern Aarau war für den weltweiten Vertrieb und den Service verantwortlich. Das Mekometer galt damals als Präzisions-Distanzmesser, das höchste Genauigkeit mit Kompaktheit und hohem Messkomfort vereinte. Entfernungen im nahen Bereich von 20 m bis einige 100 m und solche im mittleren Bereich bis 3 km konnten mit einer Genauigkeit von bis zu 1/1‘000‘000 der Distanz gemessen werden. Wie diese hohe Genauigkeit erreicht werden konnte, beschreibt Dr. Heinz Aeschlimann im Artikel Die Bestimmung der Grobdistanz beim Mekometer Kern ME 3000 in der Fachzeitschrift VPK 2/1976. Eine mechanische Meisterleistung war das dazu erforderliche Zählwerk zur Messung und Anzeige der fünf Phasendifferenzen.
Das Mekometer ME 3000 war ausgelegt für Präzisions-Längenmessungen, wie sie bei der Einrichtung von Forschungslaboratorien, der Aufstellung und Justierung von Radio-Teleskopen, bei Rutschungs- und Deformationsmessungen, geodätischen Basismessungen und zur Ausmessung von Bauteilen in der Industrie notwendig sind. Ausführliche Informationen zur Funktion und den Anwendungen des ME 3000 enthält das Bulletin Kern Nr. 21 vom August 1974. Im Film "Vermessung am Wasser" von 1981 wird das Mekomter ME 3000 bei Deformations-Vermessungen an der Staumauer Punt dal Gall, Livigno CH/I, gezeigt. Das mechanische Zählwerk wurde in der Zwischenzeit durch eine elektronische Messung und Anzeige der Phasendifferenz ersetzt.
Der ganz grosse Wurf gelang Kern 1986 mit der Markteinführung des ME 5000. Mehr dazu später.

Nullpunktmessung (oben): Der von der Sendediode (2) erzeugte Lichtstrahl (1) wird vom Flüssigkeitshorizont (3) auf die positionsempfindliche Diode (4) reflektiert. Neigungsmessung (unten): Durch die Neigung des Sensors verändert sich die Position der gesamten Einheit relativ zum Flüssigkeitshorizont (3).
Das NIVEL 20, gerade noch zur EMO 89 (weltgrösste Maschinenausstellung in Hannover) fertig geworden, ist eines der letzten, ganz unter der Regie von Kern herausgebrachte Instrument. Ein hochgenaues optoelektronisches Messgerät. Bereits das erste ausgelieferte Modell war als Neigungsmess-System mit Software und Zubehör ausgelegt. Es ist heute noch als Nachfolgemodell Nivel 210/220 auf dem Markt.
Kern hatte bereits ihre Theodolite mit einer sogenannten Kompensatordose zur Kompensation kleiner Horizontierfehler versehen. So war es naheliegend ein Instrument zu entwickeln mit dem man, entsprechend einer Wasserwaage, die Abweichung einer beliebigen Fläche von der Horizontalen feststellen konnte.
Im Fokus standen hochgenaue Horizontierungen im Ingenieurwesen, wie beispielsweise das Überwachen von Brücken oder das Einrichten von Messplätzen und Produktionslinien in der Industrie. Ein grosses Potential sah Kern auch auf dem Gebiet der Ebenheitsmessung von Steintischen, die in der Industrie zur Qualitätsprüfung verwendet werden. Die Anforderung der Ebenheit dieser Tische bewegt sich im Bereich von 0,001 mrad bzw. mm/m.
Das Kernelement im wahrsten Sinne des Wortes bildet die Kompensatordose. Die Oberfläche der stets geheimgehaltenen Flüssigkeit in dieser Dose dient als Referenzhorizont. Mittels einer Leuchtdiode wird ein Lichtstrahl über die Flüssigkeitsoberfläche reflektiert und trifft auf einen zweiachsigen Positionsdetektor, der die Abweichungen vom horizontalen Flüssigkeitsspiegel zur Neigung des Instrumentengehäuses misst und über eine Schnittstelle an ein beliebiges Auswertegerät sendet. Auf diese Weise können mit einer Aufstellung gleichzeitig Neigungen in zwei zueinander senkrechten Richtungen gemessen werden, wie das in einem kurzen Film an einem Modell gezeigt wird.
Nicht nur innerlich ein "Zauberwürfel", auch wegen seines Äusseren, von einem renommierten Designer gestaltet, verdankt das Kern NIVEL 20 der Aufnahme ins Museum für Gestaltung der Zürcher Hochschule der Künste.
Jakob Kern gründete die Firma Kern 1819 in Aarau als Zirkelschmied. Heute kaum vorstellbar, dass damals die Zirkelteile auf einem Amboss geschmiedet wurden.
Neben vielen andern Produkten der Feinmechanik, der Optik und der Elektronik, welche später im Fabrikationsprogramm dazu kamen, blieb Kern der Entwicklung und der Produktion von Zirkeln und ganzen Reisszeugen über 170 Jahre lang treu.
Im Jahr 1969 feierte Kern das 150jährige Jubiläum. Zu diesem Anlass wurde der Film Vermessung am Beispiel Strassenbau produziert. Er behandelte die Bereiche Vermessung und Photogrammmetrie. Die Reisszeuge waren zwei Jahre später im Film Der goldene Zirkel das Thema. Zwei Ganoven brechen bei Kern ein und stehlen aus einem Tresor einen goldenen Zirkel. Bis es soweit ist, erleben sie in Werkhallen, Büros und Schulstuben einige Abenteuer. Der Film vermittelt Einblicke in die Produktion, das Sortiment und den Einsatz von Reisszeugen.
Als eine weitere einmalige Aktion zum Goldenen Zirkel wurden zur selben Zeit die Teile eines speziellen Sets an Reisszeugen vergoldet und in einem von Direktor Peter Kern, dem Delegierten des Verwaltungsrates, handsignierten Etui an ausgewählte Mitarbeitende abgegeben.
Stereobilder waren und sind faszinierend – sie erwecken beim Betrachten einen räumlichen Eindruck, anders als die Betrachtung eines Einzelbildes.
Für stereoskopisches Sehen benötigt man zwei Bilder, aufgenommen von seitlich versetzten Standorten. Beim Betrachten der Bilder mit je einem Auge entsteht die räumliche Tiefenwirkung.
Mit der Stereo-Kleinbild-Kamera SS Small Stereo von Kern werden die erforderlichen zwei Bilder mit zwei um den durchschnittlichen menschlichen Augenabstand von 64 mm seitlich versetzten Kameras gleichzeitig aufgenommen. Beide Kameras sind im gleichen Gehäuse untergebracht. Verschlüsse und Blenden sind miteinander gekuppelt, so dass sie gemeinsam eingestellt und ausgelöst werden, was auch die Aufnahme von bewegten Motiven erlaubt.
Die von Kern ab 1932 produzierte Stereo-Kamera SS Small Stereo (in Französisch Super Stereo) besitzt zwei Objektive, Kernon Anastigmat 1:3.5-16 mit 35 mm Fixfokus. Die Objektive bieten dank der kurzen Brennweite eine sehr gute Schärfentiefe ab 1.2 m - ∞ bei Blende 12.5 bzw.
4 m - ∞ bei Blende 3.5 und eine Verschlusszeit bis zu
1/300 s, gleich wie die damalige Leica I.
Wie die Leica I nutzte die SS Small Stereo als erste Kamera der Firma Kern das 35 mm-Kleinbildformat. Statt dem gebräuchlichen 24 x 36 mm Bildformat verwendet die SS Small Stereo jedoch das Bildformat 20 x 20 mm. Zwischen ein Stereo-Bildpaar im Bildabstand von 64 mm passen daher zwei weitere Bilder. Nach jeder Aufnahme wird der Film um zwei Bilder (42 mm) transportiert. Bis auf je eine Lücke am Anfang und Ende des Filmes wird der Film dadurch lückenlos gefüllt – eine geniale Idee, von Kern meisterhaft umgesetzt.
Ein detaillierter deutscher Bericht von 1933 erwähnt wohlwollend "Damit hat die Firma Kern für den Stereofreund eine Art Leica geschaffen". Nebst der Kamera (damals stolze 480 CHF, heute wären das ca. 4‘000 CHF) gehört noch ein Stereobetrachter (180 CHF) und ein Kopiergerät zu dieser Systemkamera. Der Kundschaft wurde sie mit einem ausführlichen Prospekt schmackhaft gemacht.
Leider konnte auch dieses Neuprodukt die Kamera-Sparte nicht retten – es herrschte Weltwirtschaftskrise. Auch die übrigen Kern-Kameras waren nicht mehr konkurrenzfähig, die Kamera-Fertigung wurde daher bereits 1935 eingestellt. Die Faszination für die Stereofotografie jedoch bleibt.
Das Bild rechts ist verlinkt auf den Prospekt der Stereo-Kleinbild-Kamera Kern SS von 1932.