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Studiensammlung Kern Aarau

Kern & Co. AG - 1819 bis 1991 in Aarau
Werke für Präzisionsmechanik, Optik und Elektronik
Studiensammlung ab 2009 im Stadtmuseum Aarau

Der Kern-Koronagraph von Arosa

Der Koronagraph im Observatorium Tschuggen bei Arosa, 1938 von Kern & Co. AG gebaut, war fast 40 Jahre im Dienst der Sonnenforschung im Einsatz, Aufnahme: books.google.ch

Das Astrophysikalische Observatorium auf dem Tschuggen in Arosa war eine Aussenstation der Eidgenössischen Sternwarte in Zürich und wurde 1939 auf Initiative und nach Plänen von Max Waldmeier erbaut. Er wurde 1945 zum Leiter der Sternwarte ernannt und war verantwortlich über die Forschungsarbeiten in Arosa.

Der Koronagraph wurde im Jahre 1938 durch die Firma Kern & Co. AG, Aarau, gebaut, um damit über mehrere Jahrzehnte die Sonnenkorona zu beobachten und graphisch in Diagrammen festzuhalten.

Eine Beschreibung des Kern-Koronagraphen, die Arbeiten damit und die graphischen Aufzeichnungen sind im Buch Die Sonnenkorona: Beobachtungen der Korona von 1939-1949 von Prof. Dr. Max Waldmeier im Springer-Verlag, 1951, erschienen.

Fast 500 Veröffentlichungen und zahlreiche Filmaufnahmen zeugen vom intensiven Gebrauch des Koronagraph über fast 40 Jahre. Nach seiner Pensionierung 1980 wandte sich Prof. Waldmeier mit einem Brief an die Firma Kern, mit der Bitte sich um den Erhalt "ihrer" Instrumente zu bemühen.

Das Observatorium auf dem Tschuggen in Arosa, wie es nach den Plänen von Max Waldmeier gebaut und 1939 bezogen wurde (Bild von 1951). Aufnahme: books.google.ch

Der Kern-Koronagraph musste 1965 einem neuen Zeiss-Gerät weichen. Er wurde in einer neuen Kuppel installiert und stand dort bis 1980 im Einsatz (Bild von 2017).

Spurensuche vor Ort

Die drei Fundamentsockel, wo einmal die Säule des Koronagraphen stand.

Gerne hätten wir hier ein aktuelles Bild des Kern-Koronagraphen aus dem Observatorium Arosa veröffentlicht. Im Süd-West-Turm, wo er ab 1965 gestanden haben soll, waren 2017 nur noch die drei Fundamente sichtbar. Über den Verbleib des Gerätes und den Zeitpunkt seines Abbaus gibt es keine Informationen.

Die Studiensammlung Kern verfügt in ihrem Archiv über eine Mappe mit einem technischen Beschrieb mit vielen Konstruktionsskizzen sowie diversen Übersichts- und Detailzeichnungen.

Keine Spuren in Zürich

Die Hauptkuppel der ehemaligen Eidgenössischen Sternwarte in Zürich

Nach der erfolglosen Suche im Observatorium Arosa erfuhren wir, dass möglicherweise in Zürich, an der ehemaligen Eidgenössischen Sternwarte über den Verbleib des Koronagraphen von Kern mehr zu erfahren sei.

Herr Christian Monstein vom Institut für Teilchenphysik und Astrophysik der ETH Zürich öffnete uns freundlicherweise die Türen zur Hauptkuppel (Bild) und zu dem 1951 erstellten Sonnenturm. Die dort installierten Geräte entsprachen aber leider nicht dem Gesuchten.

Man vermutete, der Koronagraph sei um 1980 in Arosa abgebaut und letztmals in einem Magazin der ETH gesichtet worden.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Fotografie einer totalen Sonnenfinsternis vom 12. November 1966, aufgenommen anlässlich einer Expedition nach Arequipa, Peru, aus dem Nachlass Max Waldmeier

Die Suche nach dem Koronagraphen von Arosa verlief erfolglos. Weder im Observatorium in Arosa noch in der ehemaligen Eidgenössischen Sternwarte in Zürich fanden sich Spuren des 2,5 Meter langen Fernrohres mit seiner Spezialoptik. Weitere Nachfragen an den Sternwarten Winterthur (Eschenberg) und Bülach brachten auch keine neuen Erkenntnisse.

Ist das einmalige Gerät mit seiner interessanten Geschichte definitiv verloren? Uns bleiben noch die zahlreichen Dokumente und Zeichnungen in unserem Archiv und die Hoffnung, dass uns der Zufall eines Tages zu Hilfe kommt.

Und das war der 30. Dezember 2020, als uns eine Nachricht zukam, der Koronagraph von Arosa sei zum Verkauf ausgeschrieben.

Der Koronagraph, palettiert am neuen Lagerort (Bild: Franco Joos, AGG)

Das Neueste vom Koronagraphen von Arosa

Nachdem einige Observatorien in Europa und Übersee ihr Interesse am Erwerb des Koronagraphen bekundet hatten, ging dieser am 20. März 2021 an die Astronomische Gesellschaft Graubünden (AGG). Sie hatte wohl die besten Argumente, die mit dem Ankauf verbundenen Bedingungen zu erfüllen. Zusammen mit der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft Aalen e.V. (AAAA), verantwortlich für die Zeiss-Komponenten und den Mitarbeitern der Arbeitsgruppe der Sammlung Kern (AGK), sollte es gelingen, dieses einmalige, historische Gerät zu restaurieren und wieder in Betrieb zu nehmen.

Dieter (AGK) und Axel (AAAA) prüfen das Fernrohr von Kern (Bilder: Aldo, AGK)

Axel und Ralf (AAAA) mit Pierre sind mit den Zeiss-Teilen beschäftigt

Am 23. Mai 2021 traf sich am neuen Lagerort eine Delegation der Experten der beteiligten Institutionen, um den Kern-Koronagraphen genauer unter die Lupe zu nehmen. Ziel war es, eine Bestandesaufnahme der vorhandenen Teile zu machen, ob alle Teile komplett vorhanden sind, welche zu reparieren oder zu sanieren sind und ob Teile neu angefertigt werden müssen.

Bereits vor der Abholung im März 2021 wurde festgestellt, dass die ganze Montierung samt Säule vor 1938 von Zeiss Jena gefertigt wurde und bereits in der Sternwarte Prätschli gestanden hat. Beim Bau des neuen Astrophysikalischen Observatorium Tschuggen wurde dann 1939, der von Max Waldmeier bei Kern bestellte Koronagraph installiert. Über das Schicksal des Zeiss-Refraktors ist leider nichts bekannt.

Für Juli 2021 sind Restaurierungsarbeiten geplant. Der provisorische Zusammenbau der einzelnen Baugruppen soll in Angriff genommen und auf Funktionalität geprüft werden.