Am 2. Mai 2026 fand die Delegiertenversammlung der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft (SAG-SAS) in Aarau statt. In einem der Vorträge wurde berichtet, in welchen Bereichen der Astronomie die Firma Kern mit ihren diversen Instrumenten erfolgreich war.
Der Sternenhimmel über dem Astrophysikalischen Observatorium Tschuggen bei Arosa, Bild: Ralph Rohner.
Zur Eröffnung der Eidgenössischen Sternwarte in Zürich bestellte 1863 ihr erster Direktor Prof. Wolf bei Kern Aarau einen grossen Meridiankreis. Die Hauptanwendung des Meridiankreises lag weniger in der Bestimmung von Positionen unbekannter Himmelskörper, als vielmehr in der hochgenauen Orts- und Zeitbestimmung mittels den Positionen bekannter Sterne.
Im Jahr 1864 wurde der Kern/Merz-Refraktor in der Hauptkuppel der Sternwarte des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich installiert und vom damaligen Direktor Prof. Dr. Johann Rudolf Wolf sogleich in Betrieb genommen. Über viele Jahrzehnte beobachtete und zählte er damit die Sonnenflecken und registrierte täglich deren Veränderungen.
Links, ein Auszug aus dem Kopierbuch. Im Eintrag vom 9. Dezember 1861 macht Jakob Kern ein ausführliches Angebot, ein Devis, mit zwei Vorschlägen, Bedingungen und Garantien. Rechts, begründet Prof. Wolf in einem Rapport seine Entscheidung, der Firma Kern den Auftrag erteilt zu haben. Er lobt wie geschickt Herr (Emil) Kern auf seine gewünschten kleinen Änderungen eingegangen sei.
Über mehr als 150 Jahre schreibt die Eidg. Sternwarte Zürich Geschichte mit den herausragenden Leistungen der dort von 1862 bis 1980 forschenden Professoren. Prof. Max Waldmeier trat im Herbst 1979 in den Ruhestand. In seinem Brief vom 26.4.1980 an die Firma Kern sorgte er sich um den Erhalt der astronomischen Geräte. 1982 gelangten der Meridiankreis und der Refraktor zur Revision zurück nach Aarau.
Es wurde vereinbart, dass die Firma Kern den Meridiankreis übernehmen kann, der Refraktor aber bei Gelegenheit wieder zurück nach Zürich soll. Am 28. August 2023 war es soweit. Nach über 40 Jahren erfolgte unter der Leitung von Dr. Thomas K. Friedli der Wiederaufbau in der grossen Kuppel der Semper Sternwarte in Zürich. Die Dauerausstellung der astronomischen Geräte ist frei zugänglich, individuelle Gruppentouren sind möglich.
Im Dokumentenarchiv der Studiensammlung fand man 2017 eine Mappe mit der Aufschrift Koronagraph. Sie enthielt Zeichnungen, Beschreibungen und Bilder aus denen hervorging, dass dieses Instrument 1938 nach Arosa ausgeliefert wurde. Prof. Max Waldmeier machte damit Beobachtungen der Sonnenkorona. Eine Suche vor Ort, 2017 verlief ergebnislos.
Am 29. Dezember 2020 erhielten wir einen Hinweis, dass der gesuchte Koronagraph zum Kauf ausgeschrieben sei. Die Bedingungen zu einer Übernahme waren vom Verkäufer klar geregelt. Mehrere Institutionen, weltweit interessierten sich dafür. Der Zuschlag erhielt die AGG, die Astronomische Gesellschaft Graubünden. Im März 2021 wurde der Koronagraph an der BKS in Chur restauriert und proviorisch zusammengebaut.
Eigentümerin der Liegenschaft Astrophysikalisches Observatorium Tschuggen, oberhalb von Arosa ist die Bürgergemeinde Chur. Am 22. August 2022 durfte die AGG den Schlüssel zu den technischen Räumlichkeiten entgegennehmen. Man entschied sich den Kern-Koronagraphen auf einem 1965 von Zeiss gelieferten Koronagraphen im Hauptturm aufzubauen.
Die Wiedereröffnung des Astrophysikalischen Observatoriums Tschuggen (AOT) fand am 10. Juni 2023 statt. SRF Schweiz aktuell berichtete über die Feier, Dietmar Mondon von der AAAA (Aalen) führte durch die Hauptkuppel und Franco Joos erklärt in einem Interview mit Südostschweiz TV die Bedeutung der Sonnenforschung in Arosa. Die Presse berichtete dazu in der Zeitschrift Orion und in der Aroser Zeitung.
Die Internationale Astronomische Union (IAU) führt eine Liste von Institutionen des astronomischen Erbes, die in der Geschichte der Astronomie herausragend sind. Das Semper Observatorium Zürch samt den Stationen in Arosa und Locarno sind in einem Beitrag beschrieben. Er enthält Informationen über die Lokalitäten, die Geschichte, die Instrumentierung und die Forschungsergebnisse dieser bedeutenden Observatorien.
Im Oktober 1951 lieferte Kern vier Coelostaten 20 cm und 1954 einen Doppelcoelostaten an die Eidgenössische Sternwarte Zürich, bestellt vom damaligen Institutsleiter Prof. Max Waldmeier. Zum Einsatz kamen sie auf Expeditionen an vielen Sonnenfinsternissen, weltweit. Der Coelostat ist ein Hilfsmittel in der praktischen Astronomie, um mit statischen Fernrohren die Objekte am Himmel trotz der Himmelsdrehung zu beobachten.
Die Firma Kern versuchte es in ihrer über 150 jährigen Geschichte mehrmals und in verschiedenen Bereichen der Astronomie Fuss zu fassen: mit Sextanten ab 1850, mit astronomischen Fernrohren für Amateur-Astronomen oder zuletzt mit einem Protypen eines Sunmeters. Die Ergebnisse waren bescheiden, fehlte es an den Kompetenzen, den Kenntnissen im Verkauf oder gar am Interesse?
Mit grossem Erfolg entwickelte und produzierte Kern die Universalinstrumente, Theodlite hoher Genauigkeit mit Spezialzubehör, die sowohl für die Landesvermessung wie auch die astronomische Orts-, Zeit- und Azimutbestimmungen eingesetzt wurden. Astro-Zubehör erweiterte die Anwendungen von Theodoliten und Nivellieren. Zählen die Objektive für das Apollo-Programm der NASA auch zur Astronomie?