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Warenmarke 1894

Stadtmuseum Aarau

Kern & Co. AG

Werke für Präzisionsmechanik, Optik und Elektronik
1819 bis 1991 in Aarau

Studiensammlung Kern Aarau

ab 2009 im Stadtmuseum Aarau

Persönlichkeiten

Unter den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die während der 170 Jahre einmal bei der Firma Kern gearbeitet haben, gibt es einige, die es verdienen besonders erwähnt zu werden. Es sind Persönlichkeiten, deren aussergewöhnlichen Karrieren bei der Firma Kern begannen, dort gefördert wurden oder die neben ihrer Beschäftigung bei Kern in ganz andern Bereichen Ausserordentliches geleistet haben.

Werner von Arx, 1950, bei Kern Aarau an einer Schaublin Revolverdrehbank

Werner von Arx, von 1941 bis 1960 bei der Firma Kern

Werner von Arx, mit Jahrgang 1923 begann nach seiner Schulzeit in Deutschland 1941 seine aussergewöhnliche Karriere bei der Firma Kern als "Spönbueb", als Junge, der in der Werkstatt die Metallspäne zusammenwischen und sortieren musste. Mitten im 2. Weltkrieg waren die Rohstoffe knapp, der Umgang damit verlangte besondere Massnahmen. Seine Vorgesetzten stellten aber bald fest, dass Werner zu mehr befähigt war. Man ermöglichte ihm eine Lehre als Feinmechaniker, die er dank seinen Voraussetzungen statt in 4 Jahren bereits nach 3 abschliessen konnte. In seinem Arbeitszeugnis zum Austritt aus der Firma Kern 1960 wurden seine ausserordentlichen Fähigkeiten speziell erwähnt.

Werner von Arx hatte aber noch andere Interessen. Seine Leidenschaft galt den Motoren und der Fliegerei. Schon in seiner Jugend begeisterte ihn das Fliegen von Modellen als Freiflug oder Fesselflug und 1952 gründete er seine eigene Werkstatt in Niedergösgen für Velos & Motos.

Meisterschaft mit Flugmodellen

Olten 1950, Meisterschaft mit Fesselflugmodellen

Wekstatt für Velos und Motos in Niedergösgen

Reklame-Diapositiv für Kino-Werbung

Olten 1950, XI. Internationales Rundstreckenrennen

Flugzeugmechaniker Werner von Arx vor einer Bücker-Jungmeister der Schweizer Luftwaffe in Raron VS, 1944

Als Unternehmer, neben seiner Tätigkeit bei Kern, betrieb er dieses Geschäft bis zu seinem Wegzug 1960 nach Basel. Seine Frau bediente die Tanksäule sowie den Ersatzteil-Laden und ein Mechaniker war verantwortlich für das Tagesgeschäft. Einen Teil des Startkapitals erhielt er vom damaligen Direktor der Firma Kern, Walter Steinmann. Mit den von Kern zur Verfügung gestellten Bolex Kameras war Werner auch als Amateurfilmer zur Stelle, wo es Aufnahmen von Flugzeugen und Motoren zu machen gab.

Im Militärdienst schaffte es Werner von Arx über mehrere Umteilung doch noch zu den Fliegertruppen. Als Soldat und Flugzeugmechaniker C-36 in der Fliegerkompagnie 16 leistete er in der Wartung und Bereitstellung der Flugzeuge wertvolle Dienste.

In erster Linie war Werner aber Pilot mit Leib und Seele. Unter den Segelflugzeugen waren die Minimoa und unter den Motorflugzeugen die Bücker seine absoluten Favoriten.

Brevet als Privatpilot von 1957

Erinnerung zum Flug vom Jungfraujoch

Die Minimoa im Detail

Als regelmässiger Teilnehmer an Bücker-Flugtagen in den USA...

....mit einer Ausnahme

Fast alles, was Werner von Arx in seinem langen Leben in die Hände geriet wurde gesammelt: Bücher, Bilder, Zeitschriften, Flugzeugmodelle, Flugzeugteile und ganze Flugzeuge. Am Rande des Euro Airport Basel-Mulhouse steht sein Hangar 112, wo seine Schätze aufbewahrt sind. Verschiedene Publikationen berichten darüber:

Das Buch INTER AVIA von 1946 aus seiner Sammlung brachte Werner von Arx in die Schlagzeilen. Ein Artikel aus diesem Buch scheint die letzten Rätsel des 2. Weltkrieges gelöst zu haben, wie eine 5-teilige Folge der Nachrichtensendung 10vor10 von 2011 damals zu berichten wusste.

Die Bücker-Jungmann von 1953 im Museum Jean Tinguely in Basel, restauriert 1996 von Werner von Arx

Werner von Arx mit seinen Fähigkeiten und Kenntnissen machte sich einen Namen weltweit mit Reparaturen und Restaurierungen an Kleinflugzeugen. Immer wieder schaffte er es auch hoffnungslose Fälle wieder in die Luft zu bringen. Mit einer einzigen Ausnahme:

Jean Tinguely erwarb für sein Atelier in La Verrerie eine Bücker-Jungmann und hängte sie dort in Rückenlage an die Decke. In der Zwischenlagerung erlitt der eine Flügel grossen Schaden, den aber Werner von Arx beheben konnte. Heute hängt das Flugzeug im Museum Jean Tinguely in Basel. Eine Texttafel würdigt die Verdienste von Werner von Arx.

Ernst Wildi mit seiner Bolex 16 EL mit aufgesetztem Kern-Objektiv

Ernst Wildi, von 1939 bis 1947 bei der Firma Kern

Ernst Wildi mit Jahrgang 1923 begann 1939 bei der Firma Kern eine Lehre als Optiker. Heute lebt er als rüstiger Rentner in New Jersey, USA. Seine ausserordentliche Karriere beschreibt er selber in seinem Lebenslauf.

Mit seiner Lehre und der anschliessenden Tätigkeit in der Optikabteilung war seine Passion für die Photographie und die Filmerei geweckt. Bevor er 1947 in die USA auswanderte um seine Träume zu verwirklichen, drehte er mit seiner eigenen Paillard Bolex H8 mit den ihm vertrauten Kern-Objektiven seinen ersten Film Erinnerungen. Dieser Film sollte ihn durchs ganze Leben begleiten und ihn stets an seine geliebte Familie und seine Heimatstadt Aarau erinnern.

Seine erste Stelle in den USA fand er in der Optikabteilung bei Eastman Kodak in Rochester. Durch Vermittlung des damaligen Direktors der Firma Kern, Walter Steinmann, wechselte Ernst Wildi 1949 zu Paillard USA. Hier wurde er bekannt durch seine Vorträge in ganz USA zum optimalen Gebrauch der Bolex-Kameras mit Kern-Objektiven und durch seine über 100 Artikel zur Filmerei in den bedeutendsten Film- und Photozeitschriften.

Ernst Wildi 1945 nach der Optikerlehre

Bei Kern in der Poliererei

Die erste Stelle bei Eastman Kodak in Rochester

An einer Bolex in der Mikroskopie

Bei einem Meeting mit Bolex-Händler in New York

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Im Jahr 1952 stellte Paillard-Bolex erstmals ein Stereo-Aufnahme- und Vorführsystem für die 16 mm Schmalfilmkamera vor. Die Optik dazu wurde von Kern in der Schweiz entwickelt und produziert.

Mit grossem Engagement setzte sich Ernst Wildi für die Einführung des Stereo-Heimkinos in den USA ein. Zusammen mit James Mage produzierte er die vier Stereofilme Sunday In Stereo, Indian Summer, American Life und This is Bolex Stereo, sie wurden am 10. Februar 1953 im New Yorker Kino Rialto dem begeisterten Publikum vorgeführt. In den Tageszeitungen New York Post und The New York Times wurde darüber ausführlich berichtet. Unter dem Namen Triorama sollte damit für das kleine Budget das Filmen in 3D ermöglicht werden. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Die vier 3D-Filme sind heute leider nicht mehr auffindbar.

Das Archiv der Studiensammlung Kern verfügt noch über einige Beispiele von Testfilmen (1951, Markt in Aarau).

Artikel im "American Cinematographer", Juni 1953, "How To Shoot 3-D Movies In 16-mm"

Inserat für Bolex Stereo 16mm fürs Heimkino

Das Bolex 2D und 3D Geräteprogramm

Inserat für die Triorama Vorstellung im Rialto am Broadway, New York

Artikel in der NYP, Februar 1953

"Bolex Guide to 16mm Movie Making", Petersen Pub. Co (1973)

1957 übernahm Paillard USA die Vertretung des schwedischen Kameraherstellers Hasselblad. Hier fand Ernst Wildi sein ideales Tätigkeitsfeld, wo er seine Kenntnisse einbringen und seine Fähigkeiten voll entfalten konnte. In seinem Tätigkeits-Nachweis wird aufgelistet was er weltweit für die Photographie im Besonderen mit den hervorragenden Kameras der schwedischen Firma Hasselblad als Dozent, Autor und Promotor erreicht hat. Einer der Höhepunkte dürfte die Instruktion der Apollo-Astronauten gewesen sein, mit seinem eigens dafür verfassten Astronaut's Photography Manual.

Zahlreiche Gebrauchsanleitungen, Fachbücher und Dokumentationen stammen aus seiner Feder, noch heute Basiswissen für Photographen, in mehreren Sprachen erhältlich und herausgegeben in zahlreichen Auflagen.